Nabad - Friede

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Den Highschool Abschluss in der Tasche ...  

Zu Hause in Somalia hatte ich gerade den Highschool Abschluss in der Tasche, standen schon die Gruppen bereit. Ich sollte mich Ihnen anschliessen und kämpfen. Es bleiben nicht viele Möglichkeiten - genau genommen zwei Möglichkeiten - beitreten und kämpfen oder die Heimat verlassen und fliehen. Bei Verweigerung mit ihnen in den Krieg zu ziehen, zögern sie nicht dich zu töten. Für mich kam nur die Flucht in Frage und ich suchte nach einer Möglichkeit das Land so schnell wie möglich zu verlassen. 

Ein Flug in die Türkei
Ich hatte Glück, konnte ein Touristenvisum für die Türkei beantragen und buchte mir einen schnellst möglichen Flug. Der Versuch, mein Leben in der Türkei neu zu Ordnen, gestaltete sich schwieriger als erwartet. Neben der Sprachbarriere gab es dort auch keine helfenden Hände für Menschen auf der Flucht. Hilfesuchend habe ich immer wieder mit Freunden von zu Hause telefoniert. Sie schickten mir Geld, doch das bisschen Geld half mir nicht aus der Notlage. Drei Monate lebte ich auf der Strasse, bis es nicht mehr ging - ich wusste, ich muss weiter reisen. Verschiedene Kontakte organisierten mir ein Ticket für ein Schiff nach Griechenland - viel Zeit zu überlegen hatte ich nicht und eine andere Option auch nicht. 

Übersee nach Griechenland
15 Personen waren auf dem Schiff. Die Ankunft kam anders als erwartet - wir wurden schon erwartet. Die Polizei steckte uns ins Gefängnis. Ich wusste nicht was passiert und ob überhaupt etwas passiert und so verging ein Monat bis sie uns mit einer Bedingung frei liessen. Innerhalb eines Monats mussten wir Papiere organisiert haben und Griechenland verlassen. Egal wohin, hauptsache raus aus Griechenland. In Athen gab es Kontakte für eine weitere Flucht, doch ohne Geld waren sie nicht interessiert. Ohne Geld gab es nur die Möglichkeit den weiteren Weg zu Fuss zu wagen.

Mitten durch Mazedonien und Serbien
Den dreiwöchigen Fussmarsch bewältigten wir in einer grossen Gruppe. Es waren so viele Menschen - der Anfang und auch das Ende der Menschenschlange war nicht zu sehen. Als Proviant gab es einen Becher Tee und eine Scheibe Brot pro Person. Dieser war nach der ersten Woche aufgebraucht und es folgten 14 unvergesslich harte Tage. In diesen zwei Wochen starben unzählige Menschen. Ein Mann direkt hinter mir brach zusammen. In Serbien erreichten wir dann ein Camp und das Warten begann erneut. Wieder telefonierte ich mit Freunden und immer hiess es, wir müssen warten. 

Mit dem Auto von Ungarn nach Österreich
Geld vereinfacht viele Situationen auf der gefährlichen Flucht. Ohne Geld sind die Möglichkeiten fast bei Null, weil die Kontakte sich nicht für dich und dein Leben interessieren. Freunde sendeten mir erneut 300 €, aber auch das war zu wenig um weiter zu kommen. In einer kleinen Gruppe entschieden wir weiter zu laufen, bis wir die Grenze von Ungarn erreichten. Hier wussten wir nicht mehr weiter, denn es hieß in Ungarn sperren sie uns erneut ins Gefängnis - Ungarn ist wie Griechenland. Ich war verzweifelt und in meinen Gedanken versprach ich mir, mein Leben selbst zu beenden bevor ich nochmal ins Gefängnis gehe - die Kraft das nochmal zu überleben hatte ich nicht mehr. In der Gruppe schafften wir es schliesslich noch ein bisschen Geld zu sammeln und konnten einen Transport nach Österreich organisieren. Mitten in der Nacht kam der Anruf. Wir mussten schnell sein und konnten in ein Auto einsteigen. Es war ein gewöhnlicher Fünf-Personen Wagen. Die tatsächliche Anzahl an Menschen zu erfassen war mir nicht gelungen - vielleicht waren es 50? Wie Toastbrot waren wir gestapelt. Leider starb unterwegs im Auto ein Kind.

Österreich
Aus dem nichts waren die Polizisten wieder da. Mit dem Glauben wieder ins Gefängnis zu gehen war unsere Hoffnung verloren. Alle im Auto weinten vor Verzweiflung. Erst als wir in Traiskirchen ankamen, realisierten wir, dass wir es geschafft haben. Ich war in Österreich angekommen. Damals war ich 17 Jahre und 5 Monate alt. Nach etlichem Papierkram musste ich nur noch abwarten bis ich volljährig bin. Mit 18 durfte ich dann in die Messehalle nach Dornbirn, wo ich für 1 1/2 Wochen unterkam. Dank einem Freund von zu Hause konnte ich nach Blons ziehen, er ist auch hier. In Blons bin ich jetzt seit vier Monaten. 

Eine lange Reise und in Gedanken bei der Familie
Viele Details habe ich vergessen. Es ist so viel passiert im letzten Jahr. Manchmal kann und möchte ich mich nicht erinnern und an manchen Tagen sitze ich hier auf dem Balkon in der Sonne und versuche mich zu erinnern. In Somalia fehlte es uns an nichts - meinen Eltern und mir. Mein Dad hatte einen normalen Job, bis wir gehen mussten. Meine Familie ist an der Grenze zu Äthiopien in Sicherheit, aber dort können sie nicht weg. Das Land zu verlassen würde die Ermordung der ganzen Familie bedeuten. Aber immerhin sind wir in Kontakt. 

Mein neues Leben
Jetzt warte ich auf meine österreichischen Papiere. Das warten ist für mich das Schlimmste und ich weiss nicht wie lange ich warten muss. Im Moment habe ich nichts, kein Geld und auch nichts zu tun. Nur Zeit hätte ich genug, aber ich kann sie nicht nützen. So schnell wie möglich möchte ich anfangen zu studieren - Politik und Religion. Ich denke in meinem Land kann ich damit später einmal etwas gutes bewirken. Der erste Schritt ist jetzt natürlich Deutsch zu lernen. Ein paar Unterrichtsstunden hatte ich schon und bald kann ich in einen Deutschkurs. Ich freue mich schon. 

Abdi, Blons, 09.09.2015

I had just finished high school...


Back home in Somalia I had just finished the high school, so the groups wanted me to join them and fight. Right then I just had two options - stay and fight or leave and flee. Stay and refuse to fight, meant that they will kill you. So for me fleeing was the only option and so I started to think about how I could get out of Somalia. 

Flight to Turkey
Luckily I got a tourist visa for Turkey and I immediately booked a flight there. In Turkey, I tried to figure out my new life, but it was difficult. Difficult because of the language and because there are no helping hands for people like me. I called friends from home and they tried to help me out and sent me some money but that little bit of money was not resolving my problem. After 3 months of being homeless and definitively out of money, I knew I needed to move on. Again I called some friends, a few of them have been in Austria already. Fortunately, we could find a ship to Greece and I needed to decide fast - I was desperate and my choices limited. 

Ship to Greece
15 people have been on the ship and when we arrived in Greece - our next stop was jail - they arrest us! Again I didn’t know what will happen, or even if something would happen. After one month I was on the loose again and they gave me one more month to organize my papers to leave Greece. They didn’t care where I went to, I just needed to leave Greece. The contacts in Athens don’t help you if you cannot pay them enough. Without money, my only chance was walking - I didn´t wanted to go back to jail.   

Pass through Macedonia and Serbia
During a three week hike, I was part of a big group. I couldn’t see the beginning or the end of the line. All of us got one cup of tea and a slice of bread at the start of the tour. The first week was not too bad, but in the second and third weeks we had no more food and water. A lot of people died on the way. One guy just collapsed behind me, but we couldn’t help him. We passed through Macedonia and finally arrived at a camp in Serbia. Again I called friends for help and they said I must wait. One month passed by, just waiting. 

"Taxi" from Hungary to Austria
If you have money, you have choices to go further. If not, they are not interested in you or your life. The only option is to walk. One day, friends called me and they sent me 300 € but it was still not enough. I talked to other people and we decided to walk. At the border of Hungary we needed to stop because we knew if we cross this border, we will go back to jail. Hungary is like Greece. I felt frustrated and thought that before I go back to jail, I will kill myself first. Within the group, we were able to collect some money and so we organized a taxi which would bring us to Austria. In the middle of the night someone called me - the car is ready and we can get in. Everything happened very fast. It was a normal car and it was not possible to count the number of people in the car - maybe 50? They stacked us into the car like slices of bread. We just knew that we are on the way to Austria, I don’t know exactly what city. Tragically, one child died on the way in the car. 

Finally Austria 
Suddenly there were police again and we were all crying in the belief that we are going back to jail. But finally, we arrived in Austria. They brought us to Traiskirchen.
At that time, I was 17 years and 5 months old. Whilst preparing all the papers etc. for being able to stay in Austria, I was almost 18. Being of age, means I could move to the Messehalle in Dornbirn, Vorarlberg. After one and a half weeks in Dornbirn, a friend helped me to move to Blons, where he already lived. I’m here in Blons for four months now. 

Remember a long journey - thinking of my family
I cannot remember all of the details. So many things happened and it was a long time. Sometimes I don’t want to remember and some days, I sit here in the sun on the balcony and try to remember. At home in Somalia we had everything. My mother and father… Dad had a normal Job. Then we needed to leave. 

Right now they are safe at the border to Ethiopia, but they cannot leave the country, the groups would kill the whole family. However, we are in touch. 

Waiting for my life
I’m waiting for my Austrian papers every day. The worst thing is waiting and not knowing how long I have to wait. For the moment, I have nothing - no money, nothing to do. I just have time - a lot of time - and I cannot use it. I really would like to go to university. If it’s possible, I would like to study politics and religion, because I think my country will need it and maybe I can do some good with it. 

The first step is to learn German. We have already had some lessons here in Blons, but they are organizing a German course. I’m looking forward to it.

Abdi, Blons, 09.09.2015

 

Last modified onMontag, 21 September 2015 17:41
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